Entstehungsgeschichte der Werdens-Begleitung

Im August 2014 sandte mir Wilfried Belschner, emeritierter Professor der Psychologie der Universität Oldenburg, ein Paper mit dem Titel "Werden - Eine Skizze für die Entwicklung einer neuen wissenschaftlichen Disziplin und einer neuen Profession" mit der Bitte um Feedback. 

Dieses Paper elektrisierte mich, denn die hier beschriebene Grundüberzeugung deckte sich haargenau mit meiner eigenen. Sie drückt sich in den folgenden Aussagen aus:

  • Jeder Mensch ist ein einzigartiges Experiment des Kosmos.
  • In jedem Menschen gibt es etwas, das sich verwirklichen möchte.
  • In jedem Menschen ist ein Samen angelegt, der keimen, wachsen, blühen, reifen und Früchte tragen möchte.
  • In jedem Menschen gibt es einen "göttlichen Funken" (Assagioli).
  • Es gehört zur Aufgabe eines jeden Menschen, zu seinem "Wesen" durchzubrechen (Dürckheim).
  • In jedem Menschen gibt es eine unstillbare Sehnsucht, die erfüllt werden möchte.

Und Wilfried Belschner skizziert weiter: "Menschen, die diese Sehnsucht in sich spüren und sich in ihrem Leben auf eine neue, sinnhafte Perspektive umorientieren, möchten nicht als abweichend, gestört oder als krank diagnostiziert werden. Sie möchten vielmehr zu dem werden, was sie wirklich sein könnten. Sie möchten erwachen aus dem bisherigen, unbefriedigenden und oft leidvollen Lebensalltag, sie möchten ihr wahres Menschsein erlauben und ins Leben bringen."

Und: "Für die Entdeckung und Erkundung dieses anderen, Sinn und Erfüllung stiftenden Lebensweges suchen sie eine kundige Unterstützung und Begleitung."

Mit diesem Paper kam mein persönliches Erwachen. Die darin formulierte Grundüberzeugung floss schon immer - ganz unbewusst - in meine Tätigkeiten ein, aber erst jetzt wurde mir klar, um was es sich hierbei wirklich handelt. Denn das, was uns Menschen ausmacht, was uns antreibt und motiviert, hat einen viel tieferen Ursprung. 

Im August 2015 begann ich mit dieser neuen Form der Begleitung zu experimentieren. Wir* nannten es "Werdens-Begleitung". 24 Probanden stellten sich für drei Monate mit dem Thema "Wer bin ich wirklich?" zur Verfügung. Die meisten Probanden kamen wöchentlich zu mir, ein paar wenige alle 14 Tage zu einer einstündigen Sitzung. Die Auswertung dieser 3-monatigen Begleitung ergab signifikante Ergebnisse (hier ein kleiner Ausschnitt). 

Dies war der Beginn meiner neuen Tätigkeit als "Werdens-Begleiterin". Ich habe viele Ausbildungen und Fortbildungen absolviert, aber das Wichtigste sind die Erfahrungen mit Menschen, die ich mache. Sie helfen mir dabei, neugierig und offen zu bleiben für die Einzigartigkeit, die sich in uns, in jedem lebendigen Wesen ausdrücken möchte. 

 

* Wir, das sind Prof. Dr. Wilfried Belschner, Helga Belschner (1942-2024), Prof. Dr. Franz-Theo Gottwald, Prof. Dr. Thilo Hinterberger und Sabine Rieckhoff (ehem. Poetsch), die Initiatoren der Kooperative Werden, die aus dem obigen Initiativpaper hervorging. Es war ein Projekt der GBB e.V., das sich der Idee verschrieben hatte, neue Konzepte und ein neues Berufsbild zu entwickeln, um Menschen bei ihrem persönlichen Erwachen professionell zu begleiten. Von 2016-2018 hat hierzu eine Ringveranstaltung "Die Kunst der Werdens-Begleitung" stattgefunden.

 

 

©Copyright Sabine Rieckhoff

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